TEIL 5 – TELEGRAMM VON WILLY BRANDT

Veröffentlicht am 29.08.2020 in Allgemein

hERXHEIM, 29.08. In einem Rückblick in fünf Schritten wollen wir bis zum 6. September 2020 an den in Herxheim geborenen aufrechten Sozialdemokraten Max Seither erinnern (mit der konstituierenden Sitzung am 6.09.1953 zog Max Seither erstmals in den Deutschen Bundestag ein), der auch durch sein Wirken für seinen Berufsstand ein ganz besonderer Bundestagsabgeordneter und darüber hinaus in der Südpfalz eine der herausragenden Persönlichkeiten war. Hier Teil 5.

Dass Max Seither über seinen Wahlkreis hinaus ein ganz bemerkenswerter und hochgeachteter Politiker war, machen die zahlreichen Glückwünsche zu Geburtstagen, Ehrungen und Jubiläen deutlich. Hier eine kleine Auswahl:

Annemarie Renner, Präsidentin des Deutschen Bundestags; Kurt Beck, Ministerpräsident; Rudolf Scharping, Vorsitzender der SPD; Hans-Ulrich Klose, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion; Dr. Dr. Tassilo Tröscher, Staatsminister (Lieber Max, alter Kampfgenosse! Er schreibt, wie die überwiegende Mehrheit, seine Grüße und Glückwünsche noch handschriftlich); Herbert Bermeitinger, Sprecher der Landesregierung RLP; Rainer Rund, Regierungspräsident von Rheinhessen-Pfalz; Theresia Riedmaier, Landrätin der SÜW; Dr. Werner Ludwigshafen, Oberbürgermeister der Stadt Ludwigshafen; Joachim Stöckle, Landrat; Dr. Klaus von Dohnanyi, Erster Bürgermeister von Hamburg; Dr. Hans-Joachim Vogel, Vorsitzender der SPD; Albrecht Müller, MdB; Carl-Ludwig Wagner, Ministerpräsident RLP; Prof. Dr. Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestags; und viele weitere Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Weinbau, Landwirtschaft sowie Bürgermeister und Abgeordnete.

Ganz außergewöhnlich ist jedoch ein Telegramm von Willy Brandt zu seinem 55 Geburtstag (siehe Bild unten).

Zu Vorbereitung auf seinen Bericht über Max Seither im Heimatbrief 2020 der Gemeinde Herxheim hat unser Ortsvereinsvorsitzender Erwin Welsch bei zwei südpfälzische Persönlichkeiten nachgefragt, wie sie den Menschen Max Seither in ihrer Zeit erlebt haben. Hier die Rückmeldungen:

Kurt Beck, Ministerpräsident a.D. 17. Juli 2020.

Lieber Erwin, ich grüße dich herzlich und hier einige Gedanken zu Max Seither.

Max Seither habe ich kennengelernt, als er Bundestagsabgeordneter war. Ich war ein ganz junger Sozialdemokrat und ich muss sagen, dass ich von Anfang an von ihm sehr angetan war. Seine ruhige, mit dröhnender Bassstimme vorgetragene Art der Argumentation hat mich sehr eingenommen.

Näher kennengelernt habe ich ihn, als er mich gebeten hatte, bei einer Jugendveranstaltung in seiner Heimatgemeinde Lustadt, in der er ja auch zu dieser Zeit Ortsbürgermeister war, über Wahlen zu reden, da damals eine Bundestagswahl bevorstand.

Auch dort hat mich beeindruckt, wie er mit den jungen Leuten umgegangen ist - mit einer natürlichen Autorität versehen.

Später haben wir uns öfter bei ihm auf dem Hof getroffen, wo ja auch Klaus von Dohnanyi seine Wohnung hatte. Dort haben eine Reihe von Besprechungen mit dem JUSO-Unterbezirksvorstand stattgefunden und später auch verschiedene andere Gesprächsrunden. Max Seither hat immer wieder davon berichtet, wie das war in den Jahren als er als Landwirt, Kriegs-verwundet, sich bemüht hat, in seiner Heimat, insbesondere in und um Herxheim, ein Lokal zu finden. Es wurde ihm und den Sozialdemokraten oftmals verweigert, eine Veranstaltungsstätte in einem Nebenzimmer eines Lokals zu bekommen. Er hat sich aber nicht abschrecken lassen und die Art, wie er das berichtet hat und den Mut, den man darauf ableiten konnte, das war etwas, was mich sehr beeindruckt hat und was ich nie vergessen werde.

Später durfte ich immer wieder von seinem Rat partizipieren und das ging bis ins hohe Alter. Ich finde eine wirklich große Persönlichkeit, die bisher in der Südpfalz nicht ausreichend gewürdigt worden ist. Ich glaube, dass er ein ganz besonderer Bundestagsabgeordneter war, dass er darüber hinaus in der Südpfalz eine der herausragenden Persönlichkeiten gewesen ist, und freue mich sehr darüber, wenn er jetzt durch einen Straßennamen auch dauerhaft geehrt wird."

Theresia Riedmaier, Landrätin a.D. 24. Juli 2020,

Lieber Erwin, ich kenne viele Geschichten über ihn, bin ihm auch einige Male persönlich begegnet. Als ich 1980/81 in die Pfalz kam, lebte er noch mit seiner Familie auf dem großen Hof bei Lustadt; ich erinnere mich, dass ich zusammen mit Hans-Werner (damals SPD-Geschäftsführer) dort Klaus von Dohnanyi, den damaligen MdB, der nach meiner Erinnerung dort eine Wohnung hatte, besucht habe und dass Max Seither im Kreise seiner großen Familie und zahlreicher Gäste eine Festlichkeit „residierte“ oder besser: „präsidierte“.

Er hatte eine starke Ausstrahlung voll selbstverständlicher, natürlicher Autorität und dennoch großer Nahbarkeit und Warmherzigkeit. Das hat einen unvergessenen Eindruck bei mir hinterlassen.

Als Abgeordnete in der Zeit von 1991 bis 1997 gehörte Lustadt zu meinem Wahlkreis und ich hatte häufig eine gute Zusammenarbeit mit den politisch aktiven Familienmitgliedern (Harald Seither, Robert Seither).

Von seinen Lebensgeschichten hat mich am meisten seine Unbeugsamkeit und seine gradlinige politische Haltung beeindruckt. Das habe ich mir immer zum Vorsatz und Vorbild genommen: „Nicht aufgeben, für den eigenen Standpunkt werben,  für die politische Überzeugung kämpfen, wenn nötig kluge Kompromisse suchen“.

Im Bild die Übergabe des SPD-Ehrenbriefs an Max Seither am 27. September 1992 in der Villa Weiser in Herxheim, der vom damaligen Parteivorsitzenden Björn Engholm und der Gemeindeverbandsvorsitzenden Regina Allinger unterschrieben wurde.